Thank you for your support for this blog

Stoxx 50 15min delayed

Menü:. Wirtschaftsdaten - Wirtschaft - Quergelesen Nachrichten aus:

Der aktuelle Nachrichten - Überblick:

Global - 4wards

Wirtschaft - Quergelesen

Europa - Wirtschaft

Deutschland - Wirtschaft

Österreich - Wirtschaft

Schweiz - Wirtschaft

ATX realtime

Shadow Stats

Chart of U.S. Money Supply Growth

Dienstag, 20. Januar 2009

Roundtable Rifkin, Rogoff, Stiglitz

Diskussionsbeiträge der Roundtable Debatte
an der Jeremy Rifkin (US-Ökonom und grüne Querdenker ),
Kenneth Rogoff (Professor an der Harvard University, bis 2003 war er Chefökonom des Internationalen Währungsfonds) und
Joseph E. Stiglitz (Wirtschaftsprofessor an der Columbia University und Nobelpreisträger) teilnahmen:

Stiglitz: Die USA haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, die globale Wirtschaft am Laufen zu halten. Amerikas Verschwendungssucht wurde kritisiert. Doch vielleicht sollte die Welt dankbar sein, denn ohne sie wäre die globale Nachfrage nicht ausreichend gewesen. Früher füllten Entwicklungsländer diese Rolle, indem sie Handels- und Haushaltsdefizite produzierten. Sie bezahlten einen hohen Preis.

Rogoff: Präsident Bush und die US-Notenbank waren lange viel zu optimistisch. Es war absurd zu glauben, dass das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die Banken die Probleme lösen würde. Jetzt gibt es eine realistischere Beurteilung, auf der man aufbauen kann. Wir brauchen eine Restrukturierung des Sektors, bei der es zu einer konkursähnlichen Selektion kommt, bei der die Gläubiger auch Geld verlieren.
Aber selbst das reicht nicht, wenn nicht neue Regulierungen greifen.

Rifkin: Das Geld, das jetzt ausgegeben werden soll, ist wie ein Heftpflaster. Das wird nicht funktionieren.
Diese Krise hat sich über 20 Jahre aufgebaut, sie ist nicht in wenigen Jahren zu lösen. In den Neunzigerjahren gab es den Mythos, dass die USAdank ihres Unternehmertums zum Motor der Weltwirtschaft geworden ist. Dabei wurde bloß mit billigen Krediten eine Verschuldungswirtschaft aufgebaut.
Die gesamte private Verschuldung der Amerikaner beträgt 12,5 Billionen Dollar. Man kann nicht genug Geld in die Wirtschaft hineinstecken, um diesen Schuldenberg abzubauen.
Wir sind pleite.

Stiglitz: Es herrscht Konsens, dass Amerikas Rezession lang und tief sein wird. Ich habe die Vorstellung, dass das, was in Amerika passiert ist, vom Rest der Welt abgekoppelt wäre, immer für einen Mythos gehalten.
Die Ereignisse belegen diese Einschätzung.

Rogoff: In den USA rechne ich damit, dass die Staatsverschuldung von 46 auf mindestens 80 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen wird.

Stiglitz: Die US-Notenbank Fed, die durch exzessive Liquidität und lasche Regulierung zur Entstehung der Probleme beigetragen hat, versucht dies wiedergutzumachen, indem sie die Wirtschaft mit Liquidität überschwemmt. Es überrascht nicht, dass diejenigen, die das Desaster nicht kommen sahen, bei seiner Bewältigung keine Meisterleistung erbracht haben.
In gewisser Weise ähnelt die Fed einem betrunkenen Fahrer, der bemerkt, dass er von der Straße abkommt und zu schleudern beginnt. Die Antwort auf den Mangel an Liquidität ist mehr Liquidität.

Rogoff: Angesichts des riesigen staatlichen Finanzierungsbedarfs steigt die Gefahr höherer Zinsen. Die Zinsen für US-Staatsanleihen werden in zwei bis drei Jahren von derzeit rund zwei auf sieben bis acht Prozent steigen. Das setzt auch andere Länder mit hoher Verschuldung, wie Griechenland oder Italien, gewaltig unter Druck. Von den baltischen Staaten oder Ungarn ganz zu schweigen. Es würde in die historischen Muster passen, wenn es zu Ausfällen in osteuropäischen Ländern kommen sollte.
Das heißt nicht, dass ganz Osteuropa kollabieren wird, aber weitere Stützungsmaßnahmen wie im Falle Ungarns werden notwendig.

Rogoff: Aber jetzt hat die US-Wirtschaft einige gebrochene Knochen, und in dieser Situation ist man nicht sehr flexibel. Wir haben den Finanzsektor verloren, der zuletzt acht Prozent zur Wirtschaftsleistung beigetragen hat. Der Anteil des Finanzsektors an den Unternehmensgewinnen lag sogar über 30 Prozent. Das ist über Nacht weg.

Rifkin: Wir haben es mit drei großen Krisen zu tun: Erstens das Ende der zweiten industriellen Revolution und die Krise jener Globalisierung, die darauf aufbaut; zweitens das Ende des fossilen Zeitalters und die Energiekrise; und drittens der Klimawandel, der die menschliche Zivilisation auslöschen könnte.
Obama versteht alle drei, aber er kann die Punkte nicht miteinander verbinden. Es fehlt ihm ein Masterplan,

Stiglitz: Der Hunger nach Öl hat einen dritten Faktor beigesteuert. Die steigenden Ölpreise haben Geld an ölreiche Länder fließen lassen, was zur Liquiditätsschwemme beitrug.

Rifkin: Wir brauchen eine echte CO2-Steuer, aber Obama wird sich eher für einen Emissionshandel entscheiden. Das ist nur ein erster Schritt und schafft vor allem Bewusstsein.
Eine CO2-Steuer in Washington zu verkaufen wird ihm schwer fallen. Und eine CO2-Steuer allein wird wenig bewirken, wenn nicht gleichzeitig eine völlig neue Energie-Infrastruktur geschaffen wird.

Rogoff: Ich denke, die USA werden - selbst wenn der Abschwung 2010 oder 2011 enden sollte - eine lange Phase niedrigen Wachstums von ein bis zwei Prozent durchmachen. Diese Periode könnte fünf bis sieben Jahre dauern.
Einerseits wegen der notwendigen Restrukturierung des Finanzsektors. Andererseits wegen des Umbaus in Richtung nachhaltiger Wirtschaft mit einer stärkeren Ausrichtung auf Umwelt, Infrastruktur und Gesundheit, wo wir die Versäumnisse der Vergangenheit bezahlen müssen. Zudem ist mit höheren Steuern zu rechnen.

Dieses Round Table Gespräch fand nur fiktiv im Standard am 19.1.2009 in den Beiträgen der drei Herren satt:
Stiglitz, Rogoff und Rifkin

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

AMAZON