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Samstag, 9. Januar 2010

Sie kommen, nehmen und gehen wieder

Sie kommen (in Toppositionen), verkünden (Illusionen), nehmen (Geld) und gehen (über "Leichen") wieder...bevor der Schwindel auffliegt.
Narzisstisch gestörte Manager (Politiker) seien nur schwer zu therapieren, sagt der Psychiater und Gutachter Thomas Knecht.
Im Gespräch erlebe er sie als überaus anregend, doch fehle ihnen die Einsicht in ihr Vergehen.

Die Ansprüche eines Narzissten, fast nur Männer, gehen weit darüber hinaus, was Bescheidenheit, Realismus und Normalität ist, seine Lebenshaltung sind Superlative in allen Dimensionen.

Leute, die mit Wirtschaftsdelikten straffällig geworden sind und bei denen ich abklären muss, ob sie zurechnungsfähig und damit schuldfähig sind. Und wie gross das Risiko eines Rückfalles bleibt. Dazu gehören die typischen Betrüger, die schon früher straffällig wurden. Und dann jene Wirtschaftsleute, die lange Zeit Erfolg hatten und Karriere machten, also gesellschaftlich nicht auffielen. Und die dann dennoch den Unternehmen durch ihr Verhalten geschadet haben, weil sie hohe Risiken eingingen, weil sie Probleme verschwiegen, weil sie Gesetze brachen. Diese Gruppe von narzisstischen Persönlichkeiten erreicht in der Wirtschaft oft Spitzenpositionen.

Sie zeigen, worum es in ihrem Geschäft geht: möglichst viel für sich zu bekommen, ohne dass die anderen es merken. Ob das dann auch dem Unternehmen und den Angestellten zugute kommt, ist ihnen egal. Globalisierung und Konzentration kommen dieser Mentalität sehr entgegen, weil die Kontrolle fehlt, aber auch die Rücksichtnahme und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit.

Die Unternehmenskultur fördert dieses Verhalten, vor allem bei sehr grossen, also globalisierten Unternehmen, die Menschen und Produkte herumschieben und bei denen die soziale Selbstkontrolle nicht mehr greift. Wenn Macht und Abhängigkeit ein Unternehmen bestimmen und nicht die Gegenseitigkeit menschlicher Kontakte, können sich narzisstisch gestörte Persönlichkeiten besonders gut profilieren. Sie verfügen über Untergebene und Ressourcen, werden selber aber kaum je kontrolliert. Besonders die grossen Unternehmen selektieren vorzugsweise Spitzenkader mit narzisstischen Charakteren.

Solche Leute haben ein übersteigertes Selbstgefühl bis zum Gefühl der Allmacht.
  • Sie kennen keine Selbstkritik und dulden auch keine Kritik von Dritten.
  • Sie machen grosse Versprechungen, ohne sich um die Erfüllung zu kümmern.
  • Sie interessieren sich so lange für andere, als es ihrem eigenen Fortkommen dient.
  • Sie zweifeln nie an ihrem Handeln und geben für Fehler immer anderen die Schuld.
  • Sie tendieren dazu, Menschen zu manipulieren, sie reagieren mit Neid auf den Erfolg von anderen.
  • Sie sind misstrauisch und wittern überall Komplotte.
  • Sie umgeben sich mit Leuten, die sie bestätigen und sie bewundern.
  • Sie sind unfähig zu echten Beziehungen.
Etwas verkürzt gesagt: Narzisstische Persönlichkeiten neigen zu Grössenfantasien und Paranoia. Gleiches gilt auch für "Politische Führungspersonen".
Dabei werden of jene mit Beförderungen belohnt, die Untergebenen oder Konkurrenten gegenüber besonders rücksichtslos auftreten. Man kann von einem krank machenden Umfeld reden.
Das Gefährlichste bei diesen Leuten sind ihre Beziehungsstörung und ihr Realitätsverlust. Narzisstisch gestörte Kaderleute empfinden keine Empathie für andere, dafür haben sie ein grandioses Gefühl der eigenen Bedeutung, hegen Fantasien eines grenzenlosen Erfolges. Sie verlangen unentwegt nach kritikloser Anerkennung und Bewunderung und denken, dass ihnen alles zusteht: Geld, Macht, Prestige. Dabei umgeben sie sich mit Beratern, die sie in allem bestätigen, obwohl sie sie doch kritisieren sollten. Vor allem tendieren narzisstische Persönlichkeiten dazu, andere Menschen auszubeuten. Damit richten sie in Unternehmen oft Verheerungen an, weil sie anderen Menschen und auch den Geschäftsbeziehungen schwer schaden.

Die meisten leiden eigentlich nur darunter, dass die Justiz plötzlich gegen sie vorgeht: dass sie dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden und sich in einer Zelle wiederfinden. Der soziale Absturz verletzt sie. Aber dass sie ihrem Unternehmen oder anderen geschadet haben, sehen sie überhaupt nicht ein.

Die Therapie muss in einem gehobenen Ambiente stattfinden, der Therapeut muss ihrer Ansicht nach der beste sein, den es überhaupt gibt. Worauf sie ihn zu Beginn mit Komplimenten zudecken und ihm versichern, niemand habe ihre Situation so gut verstanden wie er. Sobald der Therapeut die Gründe für eine narzisstische Störung angeht, schlägt die Anerkennung in Enttäuschung um, und die Behandlung wird oft abgebrochen. Der Klient sucht sich dann einen anderen Therapeuten, bei dem er über die Fehler des Vorgängers und das ihm widerfahrene Unrecht klagen kann.

Echte und nachhaltige Therapieerfolge gibt es anscheinend nur wenige. Die Kosten des Wirkens dieser kranken Persönlichkeiten trägt die Allgemeinheit. Dabei sind nicht die Therapiekosten gemeint.

Quelle: Auszüge aus dem Interview im Tagesanzeiger

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